Lieber Bitler,

Zwischen den Jahren wurde ein Narrativ erneut auffällig laut: Der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus sei “tot”. Zuletzt war es die bekannte Starinvestorin Cathie Wood von ARK Invest, die öffentlich erklärte, dass der klassische Zyklus ihrer Ansicht nach nicht mehr funktioniere.

Solche Aussagen häufen sich seit Monaten. Formulierungen wie „Dieses Mal ist alles anders“ oder „Der Zyklus funktioniert nicht mehr“ sind längst kein Randthema mehr, sondern Teil des dominanten Marktnarrativs.

Auslöser dafür ist vor allem eine spürbare Abweichung vom gewohnten zeitlichen Muster nach dem Halving: Statt einer klaren, verzögerten Aufwärtsbewegung erleben wir steigendes institutionelles Kapital, das sich über ETFs und strukturierte Produkte verteilt, begleitet von längeren Seitwärtsphasen und geringerer Volatilität.

Die Frage ist also nicht nur, ob sich Bitcoin anders verhält als früher, sondern ob der Zyklus tatsächlich verschwunden ist oder ob wir ihn schlicht falsch lesen.

TLDR;

  • Der 4-Jahres-Zyklus basiert auf Bitcoins planbarer Angebotsverknappung durch das Halving

  • Frühere Zyklen wirkten extremer, weil Marktgröße, Liquidität und Teilnehmerzahl deutlich geringer waren

  • Heute ist Bitcoin ein wesentlich reiferer Markt mit institutionellem Kapital, höherem Volumen und geringerer Volatilität

  • Das Halving wirkt weiterhin als Angebotsimpuls – jedoch weniger isoliert als in der Vergangenheit

  • Zyklische Muster existieren noch, werden aber zunehmend von Liquidität, Makrobedingungen und Marktstruktur überlagert

  • Der Zyklus ist kein Naturgesetz, sondern ein Modell, das sich mit dem Markt verändert

Ist Bitcoins 4-Jahres-Zyklus wirklich tot?

Was hinter dem sogenannten 4-Jahres-Zyklus steckt

Der Ursprung des sogenannten 4-Jahres-Zyklus liegt in Bitcoins monetärer Angebotspolitik: einer fest im Protokoll verankerten, periodischen Reduktion des neu verfügbaren Angebots (Halving).

Historisch reagierte der Markt auf diese Angebotsverknappung meist positiv. Wie in der klassischen Volkswirtschaftslehre gilt auch hier: Trifft ein sinkendes Angebot auf eine gleichbleibende oder steigende Nachfrage, entsteht Aufwärtsdruck auf den Preis. Bei Bitcoin zeigte sich dieser Effekt jedoch nur selten unmittelbar, sondern häufig mit zeitlicher Verzögerung. Historisch lag der stärkste Preiseffekt nicht Wochen, sondern oft viele Monate nach dem Halving.

Ein Blick auf den langfristigen Kursverlauf zeigt, dass auf die Halving-Perioden 2012, 2016 und 2020 jeweils ausgeprägte Aufwärtsbewegungen folgten. Nach dem jüngsten Halving im Jahr 2024 blieb ein vergleichbarer Effekt bislang aus. Statt eines dynamischen Preisanstiegs prägten längere Seitwärtsphasen und eine geringere Marktbewegung die vergangenen Monate.

Genau daraus leiten immer mehr Analysten und Finanzmarktteilnehmer ihre Schlussfolgerung ab, dass sich der klassische 4-Jahres-Zyklus-Boom abgeschwächt habe oder in dieser Form nicht mehr funktioniere. Mit zunehmender Markttransparenz wurde das Halving selbst weniger überraschend und damit auch seine unmittelbare preisliche Wirkung.

Warum frühere Zyklen “sauberer” aussahen

Die früheren Bitcoin-Zyklen sahen aus mehreren Gründen grundlegend anders aus als die letzten beiden Marktphasen. Ein zentraler Faktor war die deutlich geringere Zahl an Marktteilnehmern in den Anfangsjahren. Während Anfang 2014 lediglich rund 134.000 aktive Adressen gezählt wurden, lag diese Zahl Ende 2025 bereits bei etwa 772.000 aktiven Adressen. Ein breiterer Markt bedeutet mehr Liquidität und weniger extreme Ausschläge, denn neue Marktteilnehmer verändern nicht nur das gehandelte Volumen, sondern auch den zeitlichen Rhythmus des Marktes. Institutionelle Investoren agieren langfristiger, kaufen gestaffelt und reagieren weniger impulsiv als frühere, überwiegend retail-getriebene Marktphasen.

Hinzu kommt das starke Wachstum der Marktgröße. Bitcoins Marktkapitalisierung stieg von rund 4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf zuletzt etwa 1,7 Billionen US-Dollar. Mit zunehmender Größe verändert sich jedoch auch die Marktmechanik. Große Märkte reagieren träger, Preisbewegungen werden effizienter absorbiert und extreme Boom-Phasen seltener. Auch das täglich gehandelte Volumen hat sich vervielfacht und liegt heute im Durchschnitt bei rund 50 Milliarden US-Dollar pro Tag. Dieses höhere Volumen, ergänzt durch den wachsenden Einsatz von Derivaten und Absicherungsstrategien, trägt zusätzlich zur Glättung von Preisschwankungen bei.

Aus all dem lässt sich ableiten, dass mit zunehmender Reife eines Marktes Volatilität und ausgeprägte Zyklen naturgemäß abnehmen. Die starken Boom-Phasen früherer Jahre waren weniger Ausdruck eines festen 4-Jahres-Naturgesetzes, sondern vielmehr das Resultat eines jungen, illiquiden und schnell wachsenden Marktes. Heute scheint sich dieser Effekt zunehmend zu normalisieren, nicht, weil der Zyklus verschwunden ist, sondern weil sich die Marktstruktur grundlegend verändert hat.

Würdest du Bits&Satoshis einem Freund oder in deiner Familie weiterempfehlen?

Login or Subscribe to participate

Wenn nein: Was würde es für dich attraktiver machen, Bits&Satoshis weiterzuempfehlen?

Inspiration für unser Referral-Programm.

Login or Subscribe to participate

Gleichzeitig wäre es zu einfach, den 4-Jahres-Zyklus vollständig abzuschreiben. Auch heute bleibt das Halving ein realer Angebotsimpuls, der langfristig wirkt, aber deutlich weniger isoliert als in früheren Marktphasen. Zyklische Muster sind nicht verschwunden, sondern werden zunehmend von Liquidität, makroökonomischen Rahmenbedingungen und einer veränderten Marktstruktur überlagert.

Wer Bitcoin weiterhin ausschließlich durch das Prisma vergangener Zyklen betrachtet, läuft Gefahr, falsche Erwartungen zu entwickeln. Entscheidend ist dabei weniger, wann etwas passiert, sondern unter welchen strukturellen Bedingungen.

Stay humble & stack Sats

Vincent von Bits&Satoshis

Ps: Antworte einfach auf diese Mail, wenn es ein Thema gibt, das dich besonders interessiert oder das du besser verstehen möchtest.

Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Der Newsletter bietet keine Finanzberatung, und die hier bereitgestellten Inhalte stellen keine Anlageberatung dar. Bitte führe stets eigene Recherchen durch und konsultiere bei Bedarf einen professionellen Berater, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst. Investitionen in Bitcoin und Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden.

Reply

Avatar

or to participate