
Lieber Bitler,
In den letzten Wochen hat Bitcoin einen Großteil seines vorherigen Anstiegs wieder abgegeben. Vom erst im September letzten Jahres erreichten Allzeithoch bei rund 105.000 EUR liegen wir aktuell etwa 45 % darunter.
Diese Bewegung fühlt sich nicht wie eine normale Korrektur an, sondern wie ein klarer Stimmungsbruch. Der Markt ist dabei nicht unsicher, er ist entschieden.
Risiko wird abgebaut, Erwartungen werden zurückgenommen, Zukunft neu diskontiert. Nicht nur Risikoassets geraten unter Druck, selbst vermeintliche Safe Havens werden verkauft. Was zuvor überzeugt gekauft wurde, wird nun wieder infrage gestellt.
Nicht, weil sich Bitcoin fundamental verändert hätte. Sondern weil sich das Umfeld verändert hat.
Genau hier entsteht für viele das eigentliche Problem: Der Preis fällt und plötzlich wirken Überzeugungen, die gestern noch klar waren, wackelig. Langfristige Thesen verlieren gegen kurzfristige Kursbewegungen.
Doch das ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Muster. In solchen Marktphasen bewertet der Markt nicht mehr, was etwas ist, sondern nur noch, wie schnell daraus wieder Liquidität werden kann.
Der Kurs erzählt gerade eine Geschichte. Aber noch nicht, ob sie wahr ist.
Was Bitcoins Preis nicht erklärt
An dieser Stelle lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und eine einfache Frage zu stellen: Bewertet der Markt Bitcoin gerade falsch, oder bewertet er etwas, das er strukturell gar nicht verstehen kann?
Denn der Markt betrachtet Bitcoin wie ein klassisches Asset. Er versucht, ihn mit denselben Maßstäben zu erfassen, mit denen Aktien, Anleihen oder Rohstoffe bewertet werden. Diese Maßstäbe stammen aus dem Fiat-System.
Sie messen Cashflows, Risiken, Opportunitätskosten. Sie setzen Anpassbarkeit voraus, an Geldpolitik, Regulierung, Konjunkturzyklen. Bitcoin entzieht sich genau diesem Rahmen. Er erzeugt keine Cashflows, hat keinen zentralen Emittenten. Er lässt sich nicht politisch steuern, anpassen oder „retten“.
Institutionen können Bitcoin daher zwar bepreisen, aber sie müssen ihn in Fiat-Kategorien übersetzen, um ihn handelbar zu machen. Und genau dort entsteht die Verzerrung. Der Preis entsteht im Fiat-Raum. Die Eigenschaften existieren außerhalb davon.
Der Markt kann Bitcoin also handeln. Die Frage ist nur, ob er ihn damit auch wirklich versteht.
Eigenschaften, die sich nicht einpreisen lassen
Die entscheidenden Eigenschaften von Bitcoin lassen sich nicht deshalb schwer bewerten, weil sie kompliziert sind, sondern weil sie einem anderen Zweck dienen als klassische Finanzprodukte.
Bitcoin wurde nicht gebaut, um Rendite zu erzeugen. Er wurde gebaut, um Regeln festzuschreiben. Seine Eigenschaften zielen nicht auf Wachstum im Fiat-Raum,
sondern auf Stabilität außerhalb davon. Und genau hier liegt das strukturelle Dilemma der Märkte.
Märkte funktionieren innerhalb des Fiat-Systems. Sie messen, vergleichen und bewerten in einer Einheit, die politisch gesteuert, flexibel und permanent veränderbar ist.
Von einem System, das diese Einheit infrage stellt, können sie selbst nicht direkt profitieren. Bitcoin entzieht sich dieser Logik. Sein Wert entsteht nicht aus kurzfristiger Anpassung, sondern aus der Stabilität seiner Regeln.
Die Begrenzung schafft Verlässlichkeit in einer Welt veränderbaren Geldes.
Die Selbstverwahrung ermöglicht Besitz ohne Genehmigung. Die Dezentralität sorgt dafür, dass niemand eingreifen, steuern oder umdeuten kann. Transparenz ersetzt institutionelles Vertrauen durch Überprüfbarkeit.
Der Mehrwert dieser Eigenschaften liegt nicht im nächsten Zyklus, sondern in dem, was sie langfristig ermöglichen: ein Geldsystem, das unabhängig von politischen Interessen, institutioneller Glaubwürdigkeit und kurzfristiger Opportunität funktioniert.
Genau deshalb sind diese Eigenschaften für Märkte schwer greifbar.
Nicht, weil sie irrelevant wären, sondern weil sie außerhalb des Rahmens liegen,
in dem Märkte selbst operieren.
Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheit und schwindenden Vertrauens in Institutionen, Regierungen und Staaten wird Orientierung wichtiger als Prognose.
Nicht alles, was Stabilität verspricht, ist stabil. Und nicht alles, was schwankt, ist wertlos.
Sinnvoll ist es, sich an Systemen zu orientieren, deren Regeln transparent sind,
deren Zugang inklusiv ist und deren Grundlagen nicht beliebig verändert werden können.
Begrenzung, Rationalität und Überprüfbarkeit sind langfristig attraktivere Eigenschaften als Geld, das jederzeit vermehrbar ist und auf dem Vertrauen weniger Instanzen basiert.
Am Ende geht es um Charakter, es geht um Werte. Nicht nur bei Menschen – sondern auch bei den Systemen, auf denen wir unsere Zukunft aufbauen.
Stay humble & stack Sats
Vincent von Bits&Satoshis
Ps: Mich interessiert weniger, ob du dem Text zustimmst, sondern ob er dir in dieser Marktphase geholfen hat, die Dinge klarer einzuordnen.
Wenn du magst, antworte mir kurz:
Was hilft dir persönlich, in solchen Phasen ruhig zu bleiben?
Wie hat dir die Ausgabe gefallen?
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