Lieber Bitlerin,

unsere Demokratien tendieren strukturell zu Schulden. Nicht, weil politische Akteure grundsätzlich irrational handeln, sondern weil Verschuldung in vielen Situationen einfacher vermittelbar ist als Verzicht. Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen werden unmittelbar wahrgenommen, monetäre Verwässerung dagegen wirkt zeitverzögert und verteilt sich schleichend über die Gesellschaft.

Inflation ist daher selten ein moralisches Versagen einzelner Entscheidungsträger. Häufig ist sie das Resultat institutioneller Anreize. Wenn Regierungen zwischen höheren Steuern, geringeren Ausgaben oder zusätzlicher Verschuldung wählen, erscheint letzteres oft als der politisch geringste Widerstand, solange das Vertrauen in das Währungssystem intakt bleibt. Und genau deshalb funktioniert dieses Modell erstaunlich lange.

Fiat-Geld ist elastisch. Es erlaubt Anpassung, Stabilisierung und Krisenintervention. Gleichzeitig ermöglicht diese Elastizität aber auch eine fortlaufende Ausweitung. Das Problem ist dabei weniger die Existenz von Schulden selbst, sondern das Fehlen einer echten Alternative.

Was aber geschieht, wenn Geld nicht mehr alternativlos ist?

Was passiert wenn unser Geld Wettbewerb bekommt?

Warum Geld bislang keinen echten Wettbewerb hatte

Über Jahrzehnte war Geld weitgehend alternativlos. Zwar konnten Kapitalströme zwischen Ländern wechseln, doch sie blieben stets innerhalb desselben monetären Rahmens. Ob Bankeinlage, Staatsanleihe, Aktie oder Immobilie, alles war letztlich in Fiat denominiert und von derselben geldpolitischen Architektur abhängig.

Kapital konnte aus einer Währung fliehen, aber nicht aus dem System dahinter selbst.

Das verlieh Staaten und Zentralbanken einen besonderen Spielraum. Fiskalische Expansion musste nicht unmittelbar diszipliniert werden, solange Vertrauen und Nachfrage nach der Währung stabil blieben. Märkte reagierten zwar, aber oft zeitverzögert. In einem System ohne externe Referenz bleibt die Grenze politisch verhandelbar.

Wettbewerb verändert Anreize, nicht Moral

Wettbewerb wirkt nicht moralisch, sondern strukturell. In normalen Märkten zwingt die Möglichkeit des Abwanderns Anbieter zur Effizienz. Nicht, weil sie tugendhafter werden, sondern weil Kosten spürbar werden.

Übertragen auf Geld bedeutet das: Sobald Kapital eine glaubwürdige Alternative besitzt, verändert sich die Preisbildung politischer Entscheidungen. Staatsverschuldung wird nicht unmöglich, aber potenziell schneller eingepreist; Vertrauensverlust materialisiert sich unmittelbarer. Gold erfüllte zeitweise eine ähnliche Disziplinierungsfunktion, doch seine Einbettung in staatliche Strukturen machte diese Begrenzung politisch reversibel.

Lange Zeit blieb Geld dennoch faktisch alternativlos. Dabei müsste ein konkurrierendes System Fiat nicht vollständig ersetzen, seine bloße Existenz als glaubwürdige Wahlmöglichkeit würde bereits genügen.

Was braucht eine glaubwürdige monetäre Alternative?

Eine echte monetäre Alternative müsste mehr sein als ein weiteres Asset. Sie müsste Eigenschaften besitzen, die sie als eigenständige Referenz tragfähig machen.

1) Knappheit. Nicht relativ, sondern verlässlich und überprüfbar. Ohne glaubwürdige Begrenzung entsteht kein langfristiges Vertrauen.

2) Politische Unabhängigkeit. Eine Alternative, die jederzeit durch regulatorische Eingriffe oder institutionelle Kontrolle neutralisiert werden kann, bleibt letztlich Teil des bestehenden Systems.

3) Zugänglichkeit. Sie müsste für Individuen und Institutionen gleichermaßen nutzbar sein, nicht nur als theoretischer Wertspeicher, sondern als praktisch erreichbare Exit-Option.

Vor allem aber müsste sie außerhalb der bisherigen monetären Architektur existieren. Nur wenn ein System nicht integraler Bestandteil staatlicher Strukturen ist, kann es als echter Wettbewerb wirken.

Lange Zeit existierte ein solches System nicht.

Die monetäre Alternative

Mit Bitcoin ist erstmals ein monetäres Netzwerk entstanden, das diese Eigenschaften zumindest theoretisch erfüllt. Seine Angebotsmenge ist transparent und begrenzt, seine Infrastruktur global zugänglich, seine Kontrolle dezentral organisiert. Es entstand nicht innerhalb staatlicher Strukturen, sondern außerhalb von ihnen.

Bitcoin muss Fiat nicht ersetzen, um Wirkung zu entfalten. Seine bloße Existenz als knappe, politisch schwer manipulierbare Alternative verschiebt den Referenzrahmen.

Wenn Kapital in ein nicht inflationierbares System ausweichen kann, verändert sich die Dynamik fiskalischer Entscheidungen. Verschuldung bleibt möglich, doch sie konkurriert nun mit einer realen Exit-Option.

Nicht jeder wird wechseln. Doch die Möglichkeit allein verändert Anreize. Vertrauen wird nicht mehr implizit vorausgesetzt, sondern kontinuierlich bewertet.

In einem solchen Umfeld könnten Marktreaktionen schneller erfolgen. Risikoaufschläge steigen früher. Kapital reagiert sensibler. Politische Entscheidungen werden nicht moralischer, aber potenziell kostspieliger.

Allerdings garantiert Wettbewerb keine Disziplin. Staaten können reagieren: Mit Regulierung, Besteuerung oder Einschränkungen. Politische Anreize verschwinden nicht durch technologische Innovation.

Die Existenz einer Alternative schafft keine Tugend. Sie verschiebt lediglich die Machtbalance zwischen Emittent und Nutzer.

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TLDR;

  • Demokratien neigen strukturell zu Verschuldung, weil sie politisch einfacher zu vermitteln ist als Verzicht.

  • Fiat-Geld ermöglicht Flexibilität – aber auch fortlaufende Ausweitung.

  • Wettbewerb diszipliniert nicht moralisch, sondern über Anreize und Kosten.

  • Gold erfüllte zeitweise eine ähnliche Funktion, blieb jedoch politisch reversibel.

  • Mit Bitcoin existiert erstmals eine global zugängliche, knappe Exit-Option.

  • Ob diese Alternative Politik rationaler macht, ist offen – doch sie beendet die Alternativlosigkeit des Geldes.

Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung von Bitcoin nicht in der Ablösung bestehender Währungen, sondern in ihrer Relativierung.

Geld, das Wettbewerb bekommt, verliert seine Unantastbarkeit. Vertrauen wird zu einer variablen Größe.

Ob das zu rationaleren Entscheidungen führt oder lediglich zu neuen Formen der Anpassung, bleibt offen. Doch erstmals seit Jahrzehnten existiert mit Bitcoin eine ernstzunehmende Alternative zum Bestehenden.

Und Alternativen verändern Systeme - selbst dann, wenn sie nie dominieren.

Stay humble & stack Sats

Vincent von Bits&Satoshis

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