
Liebe Bitlers,
wir bewegen uns weiterhin in einem defensiven Marktumfeld. Erholungen werden bislang rasch abverkauft, zuletzt wurden am Wochenende erneut gehebelte Positionen liquidiert. Der Bitcoin-Kurs notiert aktuell um 64.000 US-Dollar und nähert sich damit erneut einer langfristig beachteten Referenzmarke: dem 200-Wochen-SMA.
Zur schwachen Preisentwicklung dürfte auch der vollständige Verkauf der Bitcoin-Bestände durch Bitdeer beigetragen haben. Der große Mining-Akteur liquidierte sowohl seine geminten Coins als auch seine Treasury-Reserven, um Liquidität für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur aufzubauen. Der Schritt steht exemplarisch für den strategischen Umbau innerhalb der Branche.
Gleichzeitig liefert die Infrastruktur-Ebene ein anderes Signal: Das Lightning-Netzwerk überschritt im November erstmals ein monatliches Volumen von 1,17 Milliarden US-Dollar. Trotz fallender Kurse steigt die Nutzung weiter – ein Hinweis darauf, dass sich Bitcoin operativ weiterentwickelt.
Die wichtigsten Entwicklungen und ihre strukturelle Einordnung findest du wie gewohnt in unserem heutigen Weekly.
🔑 KENNZAHLEN
⛏ Markiert Bitdeers BTC Totalverkauf einen Wendepunkt in der Mining Industrie?
Die Mining-Branche steht vor einem strategischen Wandel. Mit dem vollständigen Verkauf seiner Bitcoin-Reserve sendet Bitdeer ein Signal, das über das einzelne Unternehmen hinausgeht. Angesichts sinkender Margen im Mining gewinnen planbarere Erlösquellen wie KI-Rechenzentren an Bedeutung, weniger als Abkehr von Bitcoin, sondern als Anpassung an ökonomische Realitäten.
Bitdeer, nach eigener Hashrate das derzeit größte selbstverwaltete Bitcoin-Mining-Unternehmen, hat seinen gesamten Bitcoin-Bestand liquidiert. Zum 20. Februar meldete das Unternehmen BTC-Bestände von null. Verkauft wurden sowohl die laufende Produktion von rund 189 BTC als auch die verbliebene Reserve von über 900 BTC. Anfang des Jahres lag der Bestand noch bei rund 2.000 Coins.
Bitdeer ist kein Randakteur. Mit über 63 EH/s selbst betriebener Rechenleistung zählt das in Singapur ansässige, an der Nasdaq gelistete Unternehmen zu den Schwergewichten der Branche. Offiziell diente der Verkauf dazu, Liquidität für Grundstückskäufe mit Energiepotenzial aufzubauen und die Expansion in Richtung KI- und High-Performance-Computing-Infrastruktur zu finanzieren. Parallel nahm das Unternehmen über Anleihen mehrere hundert Millionen US-Dollar auf.
Der Schritt ist Teil eines breiteren Branchentrends. Auch Riot Platforms veräußerte Bitcoin im Wert von 200 Millionen US-Dollar zur Finanzierung eines KI-Rechenzentrums. Bitfarms positioniert sich zunehmend als Infrastrukturplayer, MARA Holdings expandiert in Richtung HPC und KI. Bitdeers CEO Jihan Wu betonte auf X, dass dies keine dauerhafte Abkehr von einer Bitcoin-Treasury bedeute. Dennoch wirft der Zeitpunkt Fragen auf, da der Markt ohnehin unter Druck steht.
Unsere Vermutung ist daher, dass es sich weniger um eine Abkehr vom Bitcoin-Mining handelt als um eine betriebswirtschaftliche Anpassung. Mining ist zyklisch und margensensibel, während KI-Rechenzentren planbarere Cashflows versprechen.
Miner suchen keine Distanz zu Bitcoin, sondern zusätzliche Einnahmequellen, um ihr kapitalintensives Kerngeschäft langfristig tragfähig zu halten. Die Diversifizierung könnte die finanzielle Resilienz der Branche stärken – und damit indirekt auch die Stabilität des Netzwerks.
📄Quellen: CoinDesk ↗ BTC-ECHO ↗ Focus Online ↗ Blocktrainer ↗
HEADLINES
🔻 Harvard reduziert Bitcoin-ETF-Beteiligung um 20% und eröffnet erstmals Ether-Position (Quelle: CoinDesk)
📉 Bitcoin-Spot-ETFs verzeichnen fünfte Woche in Folge Nettoabflüsse in Milliardenhöhe (Quelle: BTC-ECHO)
🇧🇷 Neuer Gesetzentwurf sieht staatliche Bitcoin-Reserve in Brasilien von bis zu 1 Million BTC vor (Quelle: Blocktrainer)
🍔 Steak’ n Shake steigert Umsatz um 15% dank Bitcoin-Zahlungen und Treasury Strategie (Quelle: BTC-ECHO)
🥷 320 gestohlene Bitcoin im Wert von 21 Millionen US-Dollar an südkoreanische Behörden zurücküberwiesen (Quelle: FinanceFeeds)
🐂 Permabulle Saylor trotzt Marktumfeld und kauft weitere 592 BTC bei einem Kurs von 67.286 USD (Quelle: BTC-ECHO)
💰 Ledn strukturiert 188 Millionen US-Dollar an Bitcoin-besicherten Krediten als Anleihen (Quelle: Ledn)
🏜 Abu-Dhabi-Staatsfonds baut Bitcoin-ETF-Position laut 13F-Filings deutlich aus und expandiert im Mining (Quelle: Blocktrainer)
0⃣ Suchanfragen für “Bitcoin auf Null” erreichen Allzeithoch in den Vereinigten Staaten (Quelle: BTC-ECHO)
🏦 Gericht prüft Rechtmäßigkeit von Sachsens Verkauf von 50.000 beschlagnahmten Bitcoin (Quelle: Blocktrainer)
FEAR-GREED INDEX

Quelle: CoinStats
COIN SNAPSHOT

Quelle: CoinMarketCap (24.02.2026, 03:15)
⚡ 1,17 Milliarden Dollar off-chain: Lightning wird operativ relevant
Während der Bitcoin-Kurs unter Druck stand, erreichte das Lightning-Netzwerk ein neues Volumenhoch und überschritt erstmals die Marke von 1 Milliarde US-Dollar pro Monat. Die Nutzung verschiebt sich dabei sichtbar von Micropayments hin zu größeren, institutionell geprägten Transfers. Lightning entwickelt sich weniger zur Konsumentenlösung und zunehmend zu einer operativen Infrastruktur-Ebene.
Im November 2025 erreichte das Bitcoin-Lightning-Netzwerk erstmals ein monatliches Volumen von 1,17 Milliarden US-Dollar. Laut River Financial wurden 5,22 Millionen Transaktionen mit einem durchschnittlichen Betrag von 223 US-Dollar abgewickelt, ein Anstieg von über 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Bemerkenswert ist, dass dieses Wachstum trotz eines deutlichen Bitcoin-Kursrückgangs stattfand. Die Daten basieren auf Hochrechnungen aus Kooperationen mit großen Node-Betreibern, die mehr als die Hälfte der Lightning-Kapazität abdecken, und gelten als derzeit beste verfügbare Annäherung an die tatsächliche Nutzung.
Lightning wurde ursprünglich als Micropayment-Netzwerk für alltägliche Kleinstzahlungen konzipiert. Doch die aktuellen Daten zeigen einen strukturellen Wandel: Die durchschnittliche Transaktionsgröße stieg binnen eines Jahres von 118 auf 223 US-Dollar, während die Anzahl der Transaktionen gegenüber 2023 zurückging – trotz deutlich höheren Gesamtvolumens. Das spricht für weniger kleine Zahlungen und mehr größere Transfers.
Inzwischen dominiert der Einsatz als schnelle Settlement-Schiene zwischen Börsen und professionellen Marktteilnehmern. Institutionelle Akteure nutzen Lightning für effiziente, nahezu sofortige Transfers, teils in Millionenhöhe. Damit entwickelt sich das Netzwerk weniger zum Retail-Zahlungssystem, sondern zunehmend zu einer operativen Infrastruktur für kapitalintensive Zahlungsflüsse.
Das entscheidende Signal liegt im Timing: Lightning wächst trotz fallender Bitcoin-Kurse, was auf eine zunehmend operative statt spekulative Nutzung hindeutet. Institutionelle Akteure setzen das Netzwerk als schnelle und kostengünstige Settlement-Schiene ein, während Kennzahlen wie Node-Anzahl und Kapazität eher auf Reifung als auf explosive Expansion schließen lassen. Lightning entwickelt sich damit weniger zur globalen Micropayment-Revolution, sondern zu einer spezialisierten Infrastruktur-Ebene, mit potenziellem Wachstum durch KI-basierte, automatisierte Zahlungsströme.
Trotz des schwachen Preisumfelds zeigt die wachsende Lightning-Nutzung, wonach viele Beobachter bei Bitcoin suchen: einen funktionierenden Anwendungsfall. Neben seiner Rolle als Wertspeicher entsteht mit Lightning eine skalierbare Zahlungsinfrastruktur, die schnelle und kostengünstige Transaktionen ohne Intermediäre ermöglicht.
📄Quellen: Krypto-Guru↗ Blocktrainer ↗
Wir bleiben dabei: Die strukturellen Fundamentaldaten von Bitcoin spiegeln sich aktuell nur bedingt im Preis wider. Institutionelle Kapitalströme agieren häufig prozyklisch und verstärken kurzfristige Bewegungen, nach oben wie nach unten.
Ob wir es derzeit mit einer klassischen Marktkorrektur oder einer tiefergehenden strukturellen Neubewertung im Bärenmarkt zu tun haben, wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen. Fundamentale Nutzung und langfristige Kapitalallokation bleiben dabei die entscheidenden Variablen.
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1 Hashrate: Die Hashrate ist die Geschwindigkeit, mit der das Bitcoin-Netzwerk kryptografische Berechnungen durchführt, um neue Blöcke zu finden und Transaktionen zu sichern. Wenn die Hashrate steigt, arbeiten mehr Computer im Bitcoin-Netzwerk, was es sicherer macht und das Mining schwerer. Wenn die Hashrate fällt, machen weniger Computer mit, das Netzwerk wird etwas unsicherer und das Mining leichter.
2 US ETF Bitcoins: Der steigende Bitcoin-Besitz der US-ETFs zeigt, dass institutionelles Interesse und Vertrauen in Bitcoin zunehmen, was zu höherer Liquidität, potenziellem Preisdruck nach oben und einer größeren Akzeptanz als etabliertes Anlagegut führen kann.
3 Mining Difficulty: zeigt, wie schwer es ist, im Bitcoin-Netzwerk einen neuen Block zu finden, und passt sich etwa alle zwei Wochen an, damit im Schnitt alle 10 Minuten ein Block entsteht.
Sie ist ein relativer Wert ohne Einheit – etwa bedeutet eine Difficulty von 80 T, dass das Mining 80 Billionen Mal schwieriger ist als zu Beginn des Netzwerks.

