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Lieber Bitler,

Stell dir vor, der Staat würde Geduld besteuern. Nicht Gier, nicht Zocken. Geduld. Genau darüber wird seit dem 3. Juli verhandelt.

An diesem Tag hat Finanzminister Lars Klingbeil einen Haushaltsentwurf vorgelegt, der die einjährige Steuerfreiheit für Bitcoin kippen soll. Bisher lohnt sich Warten: Wer länger als ein Jahr hält, zahlt auf den Gewinn keine Steuer. Nach dem Entwurf soll das keine Rolle mehr spielen. Ein Monat, zehn Jahre, steuerlich derselbe Fall.

Das Kabinett hat schon zugestimmt. Ein fertiges Gesetz ist das noch lange nicht, und die Union bremst. Trotzdem bleibt eine Frage: Warum wird ausgerechnet Warten zum Steuerfall, und was sagt das über das Verhältnis von Staat und Zeit?

📖 Hintergrund: Was ist die Haltefrist?

Die Haltefrist ist eine Regel aus dem Einkommensteuergesetz (§23 EStG). Verkaufst du Bitcoin oder andere Kryptowerte, die du länger als ein Jahr besessen hast, zahlst du auf den Gewinn keine Steuer. Verkaufst du früher, wird der Gewinn mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, zwischen 0 und 45 Prozent, sofern er über der Freigrenze von 1.000 Euro liegt. Dieselbe Regel gilt bisher auch für Gold, Kunst oder Oldtimer.

Am 3. Juli hat Finanzminister Lars Klingbeil den Haushaltsentwurf vorgelegt, das Kabinett hat mittlerweile zugestimmt. Einen echten Gesetzentwurf gibt es trotzdem nicht. Keine Details zu Stichtag, Bestandsschutz oder Verlustverrechnung. Nur eine Absicht.

Die Absicht selbst ist klar: Bitcoin und andere Kryptowerte sollen künftig als Einkünfte aus Kapitalvermögen gelten, genau wie Aktien. Damit fallen die einjährige Haltefrist und die 1.000-Euro-Freigrenze weg. Stattdessen zahlst du pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer, egal wie lange du gehalten hast.

Zum Vergleich: Gold, Kunst und Oldtimer bleiben unter der alten Regelung. Nur Krypto soll da raus, obwohl es bisher steuerlich genau in dieser Gruppe stand.

Immerhin hat die Union schon Bestandsschutz für bestehende Bestände zugesagt, falls die Reform überhaupt kommt. Ein Gesetz ist das alles noch nicht. Es fehlt der Gesetzentwurf, danach das komplette parlamentarische Verfahren.

Meine Einschätzung: Für mich ist das nicht in erster Linie eine Systematik-Frage. Es ist ein Offenbarungseid. Wenn ein Finanzministerium seine ganze Begründung auf "Gerechtigkeit" stützt und dann zufällig ausgerechnet die Anlageklasse trifft, bei der neue Einnahmen am leichtesten zu holen sind, dann ist das keine durchdachte Haltung zu Bitcoin. Das ist ein Notnagel. Der Haushalt braucht Geld, Krypto ist neu genug, dass noch keine starke Lobby dagegensteht, und schon liegt der Entwurf auf dem Tisch.

Genau das macht es für mich bedrohlicher als eine ehrliche ideologische Position. Eine Regierung, die sagt "wir wollen kurzfristiges Denken belohnen", hätte wenigstens eine Haltung, über die sich streiten lässt. Eine Regierung, die einfach da hinlangt, wo's gerade am wenigsten wehtut, zeigt etwas anderes: Geduld wird nur so lange respektiert, wie sie niemandem nützt, der gerade Kasse braucht.

Ganz neu ist das Prinzip dahinter nicht. Inflation nimmt dir seit Jahrzehnten Kaufkraft, wenn du zu lange wartest, nur leise, ohne Gesetzestext. Diese Reform macht aus der leisen Version eine laute. Der Unterschied ist nur, dass du sie diesmal in der Steuererklärung siehst.

Wo ich mir nicht sicher bin: ob das wirklich kommt. Die Union blockiert, ein Referentenentwurf fehlt, und Haushaltsentwürfe sind schon öfter im Sand verlaufen. Vielleicht bleibt's beim Testballon. Aber selbst wenn die Reform scheitert, bleibt der Impuls dahinter derselbe. Trotzdem bleibt hängen, wie leicht Bitcoin gerade als Verhandlungsmasse behandelt wird, sobald der Haushalt eng wird.

Würde eine wegfallende Steuerfreiheit dein eigenes Verhalten ändern, oder hältst du sowieso, unabhängig vom Steuervorteil?

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Ob die Reform am Ende kommt oder im Bundesrat hängen bleibt, zeigt sich erst in den nächsten Monaten. Die Frage, ob Geduld für den Staat einen eigenen Wert hat oder nur ein Zeitfenster bis zur nächsten Haushaltslücke, bleibt so oder so bestehen.

Stay humble & stack Sats

Vincent von Bits&Satoshis

Ps: Antworte einfach auf diese Mail, wenn es ein Thema gibt, das dich besonders interessiert oder das du besser verstehen möchtest.

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Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Der Newsletter bietet keine Finanzberatung und die hier bereitgestellten Inhalte stellen keine Anlageberatung dar. Bitte führe stets eigene Recherchen durch und konsultiere bei Bedarf einen professionellen Berater, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst. Investitionen in Bitcoin und Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden.

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