Lieber Bitler,

Wenn Menschen über „Knappheit“ sprechen, meinen sie fast immer eine Zahl.
21 Millionen. „Limited Edition“. „Davon gibt’s nur X Stück.“ Und genau hier sitzt der Denkfehler.

Eine Zahl im Prospekt ist keine Knappheit. Sie ist ein Versprechen.
Echte Knappheit zeigt sich erst dort, wo es weh tut: wenn der Preis steigt und der Anreiz maximal ist und das Angebot trotzdem nicht einfach nachziehen kann.

Denn selten ist vieles. Wert speichern nur wenige. Sonst wäre jede vergilbte Briefmarke Geld. Und jeder „limitierte Drop“ ein Wertspeicher.

Das eigentliche Problem ist: Die meisten bewerten Knappheit wie ein Gefühl.
Mit Bauch, Narrativ, Hoffnung.

Was du aber brauchst, ist ein Instrument. Ein Maß, mit dem du Assets vergleichen kannst, ohne „diesmal ist alles anders“. Ohne Story als Investment-These.

Diese Ausgabe gibt dir genau das. Damit du am Ende nicht nur zustimmst, sondern sagen kannst:

„Okay. Jetzt kann ich Knappheit wirklich bewerten.“

TLDR;

Knappheit ist keine Zahl, sondern ein Maß für Verwässerbarkeit. Stock-to-Flow (S2F) hilft dir, Assets danach zu vergleichen, wie schwer ihr Angebot bei steigender Nachfrage ausgeweitet werden kann. Bitcoin wird dadurch einzigartig: Unter den großen monetären Gütern ist es am wenigsten verwässerbar, weil sein Zufluss regelbasiert immer weiter sinkt.

Stock-to-Flow: Knappheit messen statt fühlen

Ein Wertspeicher scheitert fast nie daran, dass er „nicht selten genug“ ist.
Er scheitert daran, dass sein Angebot zu leicht ausgeweitet werden kann.

Denn wenn bei steigender Nachfrage sofort neues Angebot auf den Markt strömt, passiert etwas Unspektakuläres, aber Entscheidendes:
Die zusätzliche Produktion verdünnt die Knappheit. Und über Zeit verdünnt sie die Kaufkraft.

Verwässerung ist kein Crash. Kein lauter Zusammenbruch. Sondern ein schleichender Prozess, der Wert Jahr für Jahr abträgt. Genau deshalb ist Knappheit kein Statussymbol, sondern ein Schutzmechanismus.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie schwer ist es, das Angebot zu erhöhen, selbst wenn der Anreiz maximal ist?

Das ist die Frage, die der Markt langfristig beantwortet.
Und die du beantworten können musst, wenn du Assets wirklich vergleichen willst.

Knappheit messen statt fühlen

Entscheidend ist nicht nur, dass ein Gut begrenzt ist, sondern wie schwer es ist, bei steigender Nachfrage das Angebot auszuweiten.
Um genau diese Verwässerbarkeit vergleichbar zu machen, nutzt man ein einfaches Verhältnis: Stock-to-Flow (S2F).

S2F bringt Knappheit auf eine klare Formel:

  • Stock = der Bestand, der heute schon existiert

  • Flow = das, was pro Jahr neu dazukommt

Und damit beantwortet es eine praktische Frage:

Wie viele Jahre würde es dauern, den heutigen Bestand beim aktuellen Zufluss zu reproduzieren?

Je höher dieses Verhältnis, desto geringer ist die jährliche Verwässerung.
Nicht weil das Gut „magisch“ ist, sondern weil der Bestand im Verhältnis zum Zufluss so dominant wird, dass selbst steigende Produktion den Gesamtbestand nur noch langsam verändert.

Warum Gold historisch „härter“ ist als Silber

Gold hat ein deutlich höheres Stock-to-Flow-Verhältnis als Silber. Selbst wenn weltweit weiter Gold gefördert wird, wächst der Gesamtbestand nur langsam, das Angebot lässt sich nicht einfach „hochfahren“.

Genau deshalb greifen Menschen in Fiat-Systemen immer wieder zum härtesten verfügbaren Gut. Nicht zum schönsten. Nicht zum spannendsten. Sondern zu dem, das sich am schwersten verwässern lässt.

Stock-to-Flow macht diese relative „Härte“ messbar. Aber wichtig: Es ist kein Beweis für Wert, sondern ein Maß für Verwässerungsresistenz.

Bitcoin: Knappheit als elementarer Bestandteil

Bitcoin ist im Protokoll auf rund 21 Millionen Einheiten begrenzt, das ist die absolute Obergrenze. Aber „Härte“ entscheidet sich nicht nur am Endwert, sondern am laufenden Zufluss – am Flow: Wie viel neues Angebot kommt Jahr für Jahr überhaupt noch dazu?

Und genau dieser Flow sinkt bei Bitcoin regelbasiert durch das Halving: etwa alle 210.000 Blöcke (grob alle vier Jahre) halbiert sich die Blocksubsidy, zuletzt 2024, von 6,25 auf 3,125 BTC pro Block.

Das Ergebnis ist simpel und mächtig:

  • Der Flow nimmt ab

  • Stock-to-Flow steigt

  • Verwässerung wird strukturell schwieriger

Der Kern ist: Bitcoin wird nicht nur als „limitiert“ erzählt. Er wird planbar knapper, nach mathematischen Regeln, nicht nach Ermessen.

Was S2F kann & was nicht

Stock-to-Flow ist ein Knappheits-Maß. Kein Preis-Modell.

Es kann dir sehr gut helfen, Assets sauber zu vergleichen, weil es eine einzige, klare Sache misst:
Wie stark wird das bestehende Angebot jedes Jahr durch neue Produktion verwässert?

Was S2F kann

  • Knappheit vergleichbar machen: Stock vs. jährlicher Zufluss – ein Verhältnis, das du zwischen Gütern vergleichen kannst.

  • Verwässerungsrisiko quantifizieren: Je höher S2F, desto weniger “neues Angebot” trifft relativ auf den bestehenden Bestand.

  • Historische Härte erklären: Warum Güter wie Gold (hoher Stock, niedriger Flow) über lange Zeit eher als Wertspeicher funktionieren als Güter, deren Angebot schnell hochfährt.

Was S2F nicht kann

  • S2F modelliert keine Nachfrage. Es sagt nichts darüber, ob Menschen dieses Gut wirklich als Speicher halten wollen.

  • S2F garantiert keine Monetarisierung. “Knapp” ist nur die Voraussetzung – nicht der Beweis, dass daraus Geld wird.

  • S2F kann keine Preise „berechnen“. Genau deshalb ist die Preis-Version des S2F-Narrativs spätestens seit Ende 2021 sichtbar vom Marktpfad abgewichen.

Wert entsteht nicht nur durch Knappheit, sondern durch ein Zusammenspiel aus:

  • Knappheit als Verwässerungs-Resistenz (S2F hilft hier)

  • Glaubwürdigkeit der Knappheit (ist sie regel-/physikbasiert oder nur Marketing?)

  • Nachfrage als Wertspeicher (Menschen müssen es halten wollen)

Und genau hier wird Bitcoin einzigartig:
Unter den großen monetären Gütern ist Bitcoin das am wenigsten verwässerbare, weil seine Geldmenge nicht ausgeweitet werden kann, sondern einem festen Emissionspfad folgt, der mit einer harten Obergrenze und sinkendem jährlichen Zufluss nach jedem Halving agiert.

Gold dagegen wächst weiter, selbst im Rekordpreisumfeld lag das jährliche Angebotswachstum zuletzt nur bei rund +1%, aber eben: es wächst.

Knappheit ist die Voraussetzung.
Monetarisierung ist der Prozess.

Stay humble & stack Sats

Vincent von Bits&Satoshis

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Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Der Newsletter bietet keine Finanzberatung, und die hier bereitgestellten Inhalte stellen keine Anlageberatung dar. Bitte führe stets eigene Recherchen durch und konsultiere bei Bedarf einen professionellen Berater, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst. Investitionen in Bitcoin und Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden.

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